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Rock und Pop im Folkloregewand  -> WZ
06.07.2011 - MÖLSHEIM
Von Gernot Lahr-Mische


KONZERT "Landmann" überzeugt mit Instrumentenvielfalt 

Hits und Klassiker erhalten neue musikalische Note

 

Wenn man den Blick über den anfänglich unscheinbaren Ägidiuspark in Möhlsheim schweifen lässt, kann man verstehen, dass die Gruppe Landmann auch "Im schönen Wiesengrund" in ihr vielfältiges Repertoire mit aufgenommen hat. Vom "stillen Tal" ist da die Rede und je länger der Zuhörer sich bei Wein oder Bier von den Klängen einfangen lässt, wird klar, dass die Veranstaltung "Musik im Park" wohl auch wegen der zauberhaften Lage seinen besonderen Reiz hat.

Die "Landmänner", allesamt heimatverbundene Hobbymusiker, die auch als die "Kultband aus dem südlichen Wonnegau" gelten, weichen in Ihrem Repertoire den Begriff Folk auf und beziehen auch Pop und Rocksongs ein. Die klingen mittels folkmäßiger Instrumentierung (Gitarre, Akkordeon, Saxophon, Banjo, irische Bouzouki oder Klarinette) einfach akustischer, sanfter aber nicht unbedingt schlechter. Man merkt der achtköpfigen Truppe die Freude am Musizieren an, auch den lockeren Umgang mit kleinen Fehlern und dem hemmungslosen Lokalkolorit, das den Charme der ganzen Veranstaltung ausmacht. Da werden zwei U 2-Klassiker von Pathos befreit oder aufs vokalistische fokussiert, auf der anderen Seite bleibt man bei den Originalstrukturen wie "Hymn" von Barclay James Harverst oder "Linger" von den Cranberries.
Allen voran steht die Lust am Verändern, am Musizieren und am Kontakt mit dem Stammpublikum. Es wird Gemeinsamkeit beschworen, die auch das Bild prägt: Kinder tummeln sich vor der Bühne, Alt und Jung singen bei "Let it Be" mit, und oben auf der Bühne in der Ecke steht Special Guest Ralf Gauck und zupft ruhig seinen E-Bass. Doch Vorsicht: Gauck hält um ein ums andere Mal durch sein exzellentes, unaufdringliches, manchmal auch Akzente setzendes Spiel die Zügel fest. Sonst wären die anderen Musiker ab und an rhythmisch davongaloppiert.
"Knockin on Heavens Door" ist musikalischer Höhepunkt
Zu Recht darf der Wormser zwei Stücke seiner kommenden CD alleine am Bass vorstellen. Einmal meditativ, ein anderes Mal bei "Best Way" etwas druckvoller, schickt Ralf Gauck zwei melodische Kleinode übers im Abendlicht liegende Zellertal.
Ein bisschen Springsteen (Long Walk Home), auch mal was seltenes "Rainy Night in Soho" von den Pogues folkt sich durch den Abend, bis schon gegen Ende alles auf einmal ganz rund, ganz warm und präsent klingt. Ausgerechnet Dylans totgespieltes "Knockin on Heavens Door" mit dem Monsheimer Gastmusiker Christian Wosch, der mit rauem Timbre singt, wird zum musikalisch versiertesten Höhepunkt des Abends, der mit Sternregen von einem dankbaren Publikum endet.
"Landmann" ist eine reife Gruppenleistung zu attestieren. Die sechs Herren werden es verstehen, einen Namen doch hervorzuheben: Sängerin und Geigerin Meike Wilding ist das gesangliche Juwel der Truppe, sie prägt die Formation. Ganz bescheiden hatte sie manchen großen Moment.

Die „Landmänner“ spielten bei „Musik im Park“ vor einer traumhaften Kulisse.

 

Wormser Zeitung 06. 07. 2011